Paris kann romantisch, elegant und ziemlich lebensfroh sein – doch rund 20 Meter unter den Boulevards wartet eine völlig andere Stadt auf uns.
Wer bei einer Reise nach Paris ausschließlich an den Eiffelturm, den Louvre, Montmartre, Straßencafés und Croissants denkt, kennt nämlich nur die oberirdische Hälfte der französischen Hauptstadt. Unter unseren Füßen erstreckt sich ein gewaltiges Netz ehemaliger Steinbrüche, Stollen und Gänge. In einem kleinen Teil davon befinden sich die berühmten Katakomben von Paris, die Catacombes de Paris.
Und dort unten wird es schlagartig stiller.
Die öffentlich zugänglichen Katakomben sind kein Gruselkabinett und trotz ihres Namens auch keine klassischen Katakomben nach römischem Vorbild. Es handelt sich vielmehr um ein historisches Beinhaus, in das ab dem späten 18. Jahrhundert die sterblichen Überreste von mehreren Millionen Menschen aus überfüllten Pariser Friedhöfen gebracht wurden.

Heute gehört dieser Ort zu den außergewöhnlichsten Sehenswürdigkeiten von Paris. Wir steigen über eine lange Treppe hinunter, laufen durch alte Steinbruchgänge und stehen schließlich vor meterlangen Wänden aus menschlichen Knochen und Schädeln. Spätestens dann verstehen wir, warum dieser Besuch etwas völlig anderes ist als die übliche Stadtrundfahrt.
Was sind die Katakomben von Paris eigentlich?
Der Begriff Katakomben sorgt zunächst für eine kleine historische Verwirrung. Denn die unterirdischen Anlagen wurden ursprünglich keineswegs als Begräbnisstätte angelegt.
Paris steht zu großen Teilen auf einem Untergrund, aus dem über Jahrhunderte Kalkstein gewonnen wurde. Das Baumaterial wanderte nach oben und wurde dort unter anderem für Gebäude verwendet. Zurück blieben unter der Erde Hohlräume, Stollen und Steinbrüche.
Ein Teil dieser aufgegebenen Steinbrüche wurde Ende des 18. Jahrhunderts zu einem städtischen Beinhaus umfunktioniert. Das eigentliche Ossarium nimmt dabei nur einen vergleichsweise kleinen Bereich des riesigen Pariser Untergrundsystems ein.

Das ist wichtig, weil im allgemeinen Sprachgebrauch häufig das gesamte unterirdische Steinbruchnetz als Katakomben bezeichnet wird. Genau genommen besuchen wir als Touristen jedoch nur einen speziell erschlossenen und gesicherten Bereich mit dem historischen Beinhaus.
Der Name Catacombes wurde in Anlehnung an die berühmten antiken Katakomben von Rom gewählt. Marketing konnte Paris offenbar schon im 18. Jahrhundert.
Warum wurden Millionen Tote unter Paris gebracht?
Die Geschichte beginnt nicht mit einer Vorliebe der Pariser für makabre Inneneinrichtung, sondern mit einem handfesten Problem.
Paris wuchs über Jahrhunderte stark, während zahlreiche Friedhöfe mitten in dicht besiedelten Stadtvierteln lagen. Besonders berüchtigt war der Cimetière des Innocents, der Friedhof der Unschuldigen im heutigen Umfeld von Les Halles. Dort waren über viele Jahrhunderte Menschen bestattet worden.
Irgendwann war schlicht kein vernünftiger Platz mehr vorhanden. Gräber wurden immer wieder neu belegt, Gebeine in Beinhäuser umgelagert und der Friedhof entwickelte sich zunehmend zu einem hygienischen Problem für die unmittelbare Umgebung.
1780 wurde der Friedhof geschlossen.
Nun stellte sich allerdings eine ziemlich gewaltige Frage: Wohin mit all den menschlichen Überresten?

Die Lösung lag unter der Erde.
Die Behörden entschieden sich für ehemalige Steinbrüche im Bereich Tombe-Issoire, damals außerhalb des eigentlichen Stadtgebiets. Ab 1785 begannen die ersten Überführungen. Das unterirdische Beinhaus wurde 1786 offiziell geweiht.
Zunächst wurden vor allem die Überreste vom Friedhof der Unschuldigen umgebettet. Später kamen Gebeine aus weiteren Pariser Friedhöfen hinzu. Die Transporte fanden teilweise nachts statt, was vermutlich schon damals eine gute Idee war. Wagen voller menschlicher Knochen sind schließlich nicht unbedingt das, was wir uns unter entspannter Abendunterhaltung vorstellen.
Die Umbettungen erstreckten sich über Jahrzehnte. Heute befinden sich im Ossarium die Überreste von mehreren Millionen Menschen.
Von einem Knochenlager zu einem außergewöhnlichen Erinnerungsort
Wer sich die Katakomben heute ansieht, könnte glauben, die Knochen seien von Anfang an sorgfältig zu den charakteristischen Wänden arrangiert worden. Das war jedoch nicht der Fall.
Anfangs wurden die Gebeine wesentlich pragmatischer in den ehemaligen Steinbrüchen deponiert. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts erhielt die Anlage zunehmend jene Gestaltung, die wir heute kennen.
Eine entscheidende Rolle spielte Louis-Étienne Héricart de Thury, der die Anlage ab 1810 neu gestalten ließ. Schädel sowie lange Arm- und Beinknochen wurden zu geordneten Fronten arrangiert, während weitere Knochen dahinter gelagert wurden.
So entstand eine eigenartige Mischung aus Beinhaus, Denkmal und philosophischem Erinnerungsort.
Zwischen den Knochenwänden finden sich Inschriften und architektonische Elemente. Der Besucher sollte nicht einfach staunen, sondern über Vergänglichkeit, Tod und menschliche Existenz nachdenken.
Und das funktioniert erstaunlich gut.
Denn wir sehen dort keine Filmkulisse und keine Requisiten. Jeder Schädel gehörte einmal zu einem Menschen, der in Paris gelebt hat. Vielleicht war er Bäcker, Handwerker, Kaufmann, Adliger oder Bettler. Die individuellen Biografien verschwinden, die menschlichen Überreste bleiben.
Das verleiht dem Ort seine eigentliche Wirkung.
Unser Weg hinunter in den Pariser Untergrund
Der öffentliche Eingang befindet sich am Place Denfert-Rochereau im 14. Arrondissement. Von außen wirkt die Situation zunächst überraschend unspektakulär.

Dann beginnt der Abstieg.
131 Stufen führen nach unten. Wir landen ungefähr 20 Meter unter der Oberfläche und damit tiefer als viele Pariser Metrostationen.
Die Temperatur liegt ganzjährig ungefähr bei 14 Grad. Das ist im Hochsommer zunächst herrlich. Nach einer Weile stellen wir allerdings fest, dass 14 Grad eben 14 Grad bleiben, auch wenn draußen 32 Grad herrschen. Eine leichte Jacke oder ein Pullover ist deshalb selbst im Sommer sinnvoll.
Die ersten unterirdischen Passagen bestehen nicht sofort aus Knochenwänden. Zunächst bewegen wir uns durch die ehemaligen Steinbrüche. Gerade das macht den Besuch interessanter, denn dadurch verstehen wir, dass wir uns nicht in einer eigens errichteten unterirdischen Grabstätte befinden.
Wir laufen tatsächlich durch einen Teil des historischen Untergrunds von Paris.
Der offizielle Rundgang ist ungefähr 1,5 Kilometer lang. Für den Besuch sollten wir etwa eine Stunde einplanen, wobei das persönliche Tempo natürlich davon abhängt, wie intensiv wir uns die einzelnen Bereiche ansehen.
Der Moment, in dem sich die Atmosphäre verändert
Irgendwann erreichen wir den Eingang zum Ossarium.
Ab diesem Punkt verändert sich die Wahrnehmung des Ortes vollständig. Die kahlen Steinbruchgänge weichen den bekannten Knochenformationen.
Schädel liegen in Reihen übereinander. Dazwischen bilden lange Knochen geometrische Strukturen. Hinter den sichtbaren Fronten befinden sich weitere menschliche Überreste.

Das Ausmaß lässt sich auf Fotografien kaum vermitteln.
Ein einzelnes Skelett können wir noch als Individuum wahrnehmen. Bei Tausenden Knochen verschwimmt diese Vorstellung. In den Katakomben wird aus einzelnen menschlichen Schicksalen plötzlich eine nahezu abstrakte Dimension.
Trotzdem wirkt die Anlage nicht wie eine Horrorattraktion. Wer mit der Erwartung hinuntersteigt, eine besonders schaurige Kulisse für spektakuläre Fotos zu finden, verpasst den interessantesten Aspekt des Besuchs.
Die Katakomben erzählen von der Entwicklung von Paris, von Stadtplanung, Hygiene, Friedhofskultur und dem Umgang mit Verstorbenen. Gleichzeitig zeigen sie, wie eng die Geschichte der Stadt mit ihrem geologischen Untergrund verbunden ist.
Warum gibt es überhaupt so viele Steinbrüche unter Paris?
Um die Katakomben wirklich zu verstehen, müssen wir uns kurz mit Geologie beschäftigen. Keine Sorge: Wir schreiben anschließend keinen Test.
Der Untergrund des Pariser Beckens enthält verschiedene Sedimentschichten, darunter hochwertigen Kalkstein. Dieses Material wurde seit der Antike als Baustoff genutzt.
Mit zunehmender Bebauung verlagerte sich der Abbau unter die Erde. Dadurch entstand über Jahrhunderte ein ausgedehntes System von Steinbrüchen.
Das brachte allerdings ein Problem mit sich: Über den alten Hohlräumen wuchs eine immer schwerere Stadt.

Im 18. Jahrhundert kam es zu gefährlichen Einstürzen. Deshalb wurde 1777 unter Ludwig XVI. eine staatliche Steinbruchinspektion eingerichtet. Ihre Aufgabe bestand darin, die unterirdischen Anlagen zu untersuchen, zu kartieren und gefährdete Bereiche zu sichern.
Wer durch die Katakomben läuft, bewegt sich deshalb gleichzeitig durch ein Stück Technik- und Stadtgeschichte.
Paris wurde gewissermaßen zweimal gebaut: einmal oberhalb und einmal unterhalb der Erde.
Die geheimnisvolle Welt jenseits des offiziellen Rundgangs
Jetzt kommen wir zu einem Thema, das den Mythos der Pariser Katakomben erheblich verstärkt hat.
Der touristisch zugängliche Bereich ist nur ein kleiner Teil des unterirdischen Steinbruchsystems. Darüber hinaus existieren zahlreiche weitere Gänge, die nicht öffentlich zugänglich sind.
Menschen, die unerlaubt Teile dieses Systems erkunden, werden als Cataphiles bezeichnet. Um diese Szene ranken sich zahllose Geschichten über geheime Räume, unterirdische Treffen, Kunstwerke und versteckte Zugänge.
Das klingt natürlich nach einem Abenteuerfilm.
Für unsere Parisreise gibt es trotzdem eine ausgesprochen einfache Regel: Wir bleiben im offiziellen Besucherbereich.
Nicht freigegebene unterirdische Anlagen sind kein Freizeitpark. Orientierung, baulicher Zustand und Zugangsmöglichkeiten können problematisch sein. Außerdem ist das unerlaubte Betreten entsprechender Bereiche nicht mit einem regulären Besuch der Catacombes de Paris vergleichbar.
Wer die Katakomben erleben möchte, bekommt auf dem offiziellen Rundgang ohnehin einen intensiven Eindruck vom Pariser Untergrund.
Für wen lohnt sich der Besuch?
Wir würden die Katakomben besonders Reisenden empfehlen, die Paris nicht nur über seine berühmtesten Postkartenmotive kennenlernen möchten.
Geschichtsinteressierte kommen ebenso auf ihre Kosten wie Menschen, die sich für Architektur, Stadtentwicklung oder ungewöhnliche Orte begeistern. Auch bei einem zweiten oder dritten Parisbesuch sind die Katakomben hervorragend geeignet, weil sie eine vollkommen andere Seite der Stadt zeigen.
Weniger geeignet ist die Besichtigung für Menschen, denen enge unterirdische Räume erhebliche Probleme bereiten.
Hinzu kommt die körperliche Belastung. Nach den 131 Stufen hinunter müssen wir schließlich auch wieder an die Oberfläche. Am Ende warten 112 Stufen nach oben. Einen Aufzug, der uns elegant zurück ins Pariser Tageslicht befördert, gibt es nicht.
Die Wege können außerdem uneben und stellenweise rutschig sein. Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität ist der Rundgang daher ungeeignet beziehungsweise nicht barrierefrei.
Was sollten wir für unseren Besuch wissen?
Ein paar praktische Vorbereitungen machen den Ausflug wesentlich angenehmer.
Festes und bequemes Schuhwerk ist eine gute Idee. Der Untergrund ist kein Ort für den großen Auftritt in empfindlichen Schuhen.
Auch warme Kleidung gehört ins Gepäck. Die ungefähr 14 Grad unter der Erde bleiben unabhängig davon bestehen, ob wir Paris im Januar oder während einer sommerlichen Hitzewelle besuchen.

Großes Gepäck sollten wir ebenfalls nicht mitbringen. In den engen Gängen gelten Beschränkungen für Taschen und größere Gepäckstücke können nicht einfach an einer Garderobe abgegeben werden.
Außerdem sollten wir ausreichend Zeit einplanen. Die Katakomben sind keine Sehenswürdigkeit, die wir sinnvoll zwischen zwei andere Programmpunkte in eine 30-Minuten-Lücke quetschen können.
Der Rundgang ist als Einbahnstrecke organisiert. Eingang und Ausgang befinden sich nicht exakt an derselben Stelle. Am Ende kommen wir also an einem anderen Punkt wieder ans Tageslicht.
Das hat durchaus etwas Symbolisches: Wir steigen an einem Ort in Paris hinunter und kommen nach einer Begegnung mit mehreren Jahrhunderten Stadtgeschichte ein Stück weiter wieder heraus.
Respekt statt Gruseltourismus
Bei allem Humor rund um einen ungewöhnlichen Parisbesuch sollten wir einen Punkt nicht vergessen: Die Knochen sind menschliche Überreste.
Deshalb gelten klare Regeln. Die Gebeine dürfen selbstverständlich nicht berührt oder bewegt werden. Essen, Trinken und Rauchen sind im Inneren ebenfalls nicht gestattet.
Das sollte eigentlich keiner ausführlichen Erklärung bedürfen.
Die Katakomben funktionieren am besten, wenn wir sie als historischen Erinnerungsort betrachten. Natürlich dürfen wir beeindruckt sein. Natürlich dürfen wir die ungewöhnliche Atmosphäre faszinierend finden.
Aber zwischen Faszination und Respektlosigkeit verläuft eine ziemlich klare Grenze.
Gerade diese Zurückhaltung macht den Besuch letztlich intensiver.
Die Katakomben nach der Modernisierung
Die Catacombes de Paris wurden in den vergangenen Jahren umfassend restauriert und modernisiert. Nach einer vorübergehenden Schließung öffneten sie im April 2026 wieder für Besucher.
Dabei wurde auch die Vermittlung der Geschichte überarbeitet. Der Rundgang soll nicht lediglich eine spektakuläre Ansammlung von Knochen präsentieren, sondern verständlicher zeigen, wie Steinbrüche, Stadtentwicklung, Friedhöfe und Ossarium zusammenhängen.
Das ist sinnvoll, denn ohne diesen Kontext sehen wir vor allem Schädel.
Mit dem historischen Hintergrund sehen wir dagegen Paris.
Katakomben und andere Sehenswürdigkeiten kombinieren
Durch die Lage im 14. Arrondissement können wir den Besuch gut mit einem Spaziergang durch den Süden von Paris verbinden.
Besonders passend ist natürlich der nahe gelegene Cimetière du Montparnasse. Damit würde unser Tagesprogramm allerdings langsam unter das Motto „Paris und die Vergänglichkeit“ fallen.
Wer danach etwas mehr Leben braucht, findet rund um Montparnasse zahlreiche Cafés und Restaurants. Nach einer Stunde unter der Erde wirken Tageslicht, Kaffee und ein belegtes Baguette plötzlich erstaunlich lebensbejahend.
Genau dieser Kontrast gefällt uns an den Katakomben.
Am Vormittag können wir durch elegante Pariser Straßen laufen, wenig später befinden wir uns 20 Meter unter der Stadt zwischen jahrhundertealten menschlichen Überresten und anschließend sitzen wir wieder in einem Café.
Paris schafft solche Gegensätze wie kaum eine andere Stadt.
Häufig gestellte Fragen zu den Katakomben von Paris
Wie tief liegen die Katakomben von Paris?
Der öffentlich zugängliche Bereich liegt ungefähr 20 Meter unter der Erdoberfläche. Das entspricht etwa der Höhe eines fünfstöckigen Gebäudes.
Wie lang ist der Rundgang?
Die offizielle Besucherstrecke ist ungefähr 1,5 Kilometer lang. Für die Besichtigung sollten wir rund eine Stunde einplanen.
Wie viele Stufen gibt es?
Am Eingang führen 131 Stufen hinunter. Am Ende müssen wir 112 Stufen wieder nach oben steigen. Insgesamt kommen damit 243 Stufen zusammen.
Wie kalt ist es in den Katakomben?
Die Temperatur beträgt ganzjährig ungefähr 14 Grad. Besonders bei einem Besuch im Sommer sollten wir deshalb eine zusätzliche Kleidungsschicht mitnehmen.
Sind die Katakomben barrierefrei?
Nein. Aufgrund der vielen Treppen, engen Passagen und unebenen Wege ist der Rundgang nicht barrierefrei und für Menschen mit bestimmten Mobilitätseinschränkungen nicht geeignet.
Liegen wirklich menschliche Knochen in den Katakomben?
Ja. Im Ossarium befinden sich die sterblichen Überreste von mehreren Millionen Menschen, die überwiegend aus ehemaligen Pariser Friedhöfen dorthin überführt wurden.
Sind die gesamten unterirdischen Gänge für Besucher geöffnet?
Nein. Der offizielle Rundgang erschließt nur einen kleinen, gesicherten Bereich des wesentlich größeren unterirdischen Steinbruchsystems.
Darf man die Knochen berühren?
Nein. Die menschlichen Überreste und die historische Anlage dürfen nicht berührt oder verändert werden.
Können Kinder die Katakomben besuchen?
Kinder können die Katakomben grundsätzlich besuchen, wobei jüngere Besucher begleitet werden müssen. Eltern sollten jedoch berücksichtigen, dass echte menschliche Überreste gezeigt werden und die unterirdische Atmosphäre nicht für jedes Kind angenehm ist.
Sind die Katakomben gruselig?
Das hängt stark von unserer persönlichen Wahrnehmung ab. Die dunklen Gänge und Knochenwände können durchaus beklemmend wirken. Die Anlage ist jedoch keine inszenierte Geisterbahn. Ihre Wirkung entsteht gerade daraus, dass sie authentisch ist.
Warum heißen sie Katakomben, obwohl es ursprünglich Steinbrüche waren?
Der Begriff wurde für das im 18. Jahrhundert eingerichtete städtische Ossarium verwendet und orientierte sich an den berühmten Katakomben von Rom. Historisch betrachtet handelt es sich beim Pariser System jedoch um ehemalige Steinbrüche, von denen ein Teil später als Beinhaus genutzt wurde.
Fazit: Eine vollkommen andere Seite von Paris
Die Katakomben von Paris gehören für uns zu den Sehenswürdigkeiten, die eine Stadt nicht einfach nur zeigen, sondern unser Bild von ihr verändern.
Oberhalb der Erde erleben wir Paris als monumentale Hauptstadt mit Boulevards, Museen, Kirchen, Parks und Cafés. Unterhalb davon entdecken wir eine zweite Ebene der Stadtgeschichte: alte Steinbrüche, technische Sicherungsanlagen und schließlich das gewaltige Ossarium mit den Überresten von Millionen früherer Einwohner.
Gerade diese Verbindung macht den Besuch so faszinierend.
Wir steigen nicht einfach in einen Keller voller Knochen hinunter. Wir bewegen uns durch einen Ort, an dem Geologie, Stadtentwicklung, Hygiene, Bestattungskultur und der Umgang mit dem Tod auf ungewöhnliche Weise zusammenkommen.
Natürlich sind die Knochenwände das eindrucksvollste Bild. Doch nach dem Besuch bleiben häufig andere Gedanken hängen. Wie schnell eine Stadt wächst. Wie sehr heutige Straßen auf ihrer eigenen Vergangenheit stehen. Und wie viele Generationen vor uns dieselben Viertel bewohnt haben.
Wer Paris ausschließlich romantisch erleben möchte, bestellt vielleicht lieber noch einen Café crème in Saint-Germain.
Wer dagegen neugierig auf die dunklere, tiefere und überraschendere Seite der französischen Hauptstadt ist, sollte die 131 Stufen hinuntersteigen.
Nur eines dürfen wir dabei nicht vergessen: Irgendwann kommen die 112 Stufen zurück nach oben.


Schreibe einen Kommentar